Freiherr Herman, Ritter der Mark

Teil 1: Vorgeschichte

Kapitel 1

Es war einmal um das Jahr 221 nach Einigung der Stämme. Im Rahmen der zweiten Landreform 206 war Ottin zum Freiherrn von Blaufurt erhoben worden und nun, da sein jüngster Sohn Herman volljährig war, wollte er wissen wie der sich seine Zukunft vorstellte.

Sie saßen nach dem Aurumdienst mit dem Gefolge bei Tisch im Haupthaus; die heutige Burg aus Stein wurde erst von Ottins Nachkommen gebaut, damals herrschte das Haus Blaufurt von seinem, aus mehreren Langhäusern bestehenden, Gut im Dorf Blauwasser aus. Ottin war ein mittelgroßer Mann Mitte 50, der es bevorzugte zum Aurumdienst in einfachen Gewändern zu erscheinen, und volles Ornat ohnehin nur zu wichtigen Anlässen anlegte, weshalb er auch jetzt eine einfache Wolltunika trug und nur die Schärpe in den Blaufurter Farben mit der silbernen Spange in Form eines Fisches ließen auf seine Position schließen. Vor der Erhebung seines Hauses waren sie Großbauern gewesen, weshalb er Sparsamkeit und Schlichtheit schätzte und vorlebte, auch wenn das Haus durchaus vermögend war.

„Herman” sagte Ottin einmal beim Mahl mit dem Gefolge nach dem Aurumdienst „dein ältester Bruder Wentzel wird mein Erbe werden. Dein zweitältester Bruder Thoman ist Offizier der Armee des Königs, und dein drittältester Bruder Kilian wird Priester Aurums. Es ist an der Zeit, das du entscheidest was du werden willst.”

„Vater, das weiß ich ganz genau. Ich will Ritter sein.” antwortete Herman. Die Anwesenden unterbrachen ihr Essen ob der Antwort. Herman war etwas größer als sein Vater und von durchschnittlicher Statur. Er hatte kurze braune Haare, braune Augen und einen braunen schmalen Schnurrbart. Manche kicherten, andere stöhnten, wieder andere schwiegen nur und schauten zu Ottin dessen Mine sich verfinsterte, denn er hatte eine ernste Frage gestellt und erwartete eine ernste Antwort.

„In Aurums Namen, Junge, du bist Freiherr, du kannst kein Ritter werden!” polterte Ottin.

„Das weiß ich Vater, und wenn ich den Titel nicht führe, so will ich doch im Herzen Ritter sein. Meine Brüder haben alle einen höchst ehrbaren Weg beschritten, und ich will nicht das graue Mäußchen sein das sich mit irgendeinem Duckmäuser-Beruf nicht zu viel Schande machen will.”

Das Kichern und Stöhnen verstummte.

„Ich will dir, Vater, und dem neuen Namen unseres Hauses Blaufurt nicht weniger Ehre machen als meine Brüder. Und da ich keine Magie beherrsche, um auf dem Pfad des Magisters zu gehen, werde ich den des fahrenden Ritters gehen, ganz gleich unter welchem Titel.”

Die Mine Ottins klarte auf, er schien ein wenig stolz auf das Vorhaben, doch überzeugt schien er nicht zu sein.

„Und wie genau willst du das anstellen? Wohin willst du gehen und was willst du tun?” fragt Ottin.

„Das was die Ritter in den Legenden tun. Nun, angefangen damit das ich nach Freitrutz reise, und bei Hofe vorstellig werde, und um zu sehen ob ich dort Begleiter finde, denn ein guter Ritter reist nicht allein. Und dann werde ich durch das Reich reisen, vor Ort zu Ort, und meine Dienste anbieten.”

„Und wie unterscheidest du dich dann von einem gewöhnlichen adeligen Söldner, Herman?” fragte Aureus, der alte Aurumpriester dazwischen. Er trug das weiße Ornat der Priester und musste schon an die 70 Jahre alt sein, das wusste niemand so genau, und weil er recht aufbrausend war, fragte auch niemand.

„Durch mein Motiv, Hochwürden. Söldner streben nur nach Geld. Wenn sie zwischendurch etwas ehrbares tun, dann nur weil es sich anbietet oder es sich so ergibt. Ich hingegen strebe nach Ehre und nichts anderem. Danach, dem Reich zu dienen. Wenn sich dabei meine Reisekasse aufbessern lässt, wird mir das willkommen sein, aber das ist nicht der Grund meiner Reise.”

Seine Familie ergriff das Wort.
„Du wirst nach einigen Monaten mittellos sein und zurückgekrochen kommen!” prophezeite Wentzel.
„Du bist zu schwach und als Kämpfer nicht gut genug, du wirst dich nur verletzen!” mahnte Thoman.
„Wenn Aurum wollte dass du Ritter wirst, wärst du nicht Sohn eines Freiherren!” schimpfte Kilian.
„Ritter sein ist gefährlich! Was denn dir etwas zustößt?” sorgte sich seine Mutter, Freiherrin Adelheid.
„Wie willst du als unbekannter Freiherrensohn der als Ritter reist all das bewerkstelligen?” zweifelte sein Vater.

„Ich werde nicht mittellos sein, denn ich werde sparen und sorgsam mit meinem Geld umgeben, und zusehen das ich regelmäßig Aufträge gegen Entgelt annehme; nur die Ehrbaren versteht sich. Ich werde nicht schwach sein denn vor meiner Abreise werde ich mich stählen und hart üben um ein guter Kämpfer zu werden. Wenn Aurum nicht gewollt hätte, das ich frei wähle, hätte er mich nicht zum vierten Freiherrensohn gemacht. Mir wird nichts zustoßen, denn ich werde mich rüsten und gut acht geben das ich nicht sorglos in Gefahren laufe. Ich werde bei der Markgräfin vorstellig und mich dem Hof bekannt machen. Wenn ein Name erstmal in aller Munde ist, ist es gleich welchen Titel ich trage.” entgegnete Herman.

Sein Vater rümpfte die Nase. „Na du scheinst ja voll entschlossen zu sein. Wenn das dein Wille ist, dann tuh es. Aber unter der Bedingung, dass du die nächsten zwei Jahre hier bleibst, Geld ansparst, dich im Kampf übst und die ritterlichen Tugenden vertiefst. Bevor du gehst, will ich sehen das du in einem Zweikampf gegen deinen Bruder Thoman zumindest eine gute Figur abgibst. Außerdem gehst du nicht alleine. Du wirst einen Gefährten mitnehmen, dein Pferd, und einen der Hunde. Suche dir letzteren aus und übe mit ihm das er dir gehorcht und brav ist.”

„Ja Vater” antwortete Herman „aber wen soll ich als Gefährten mitnehmen?”

„Gibt es Freiwillige, die willens sind, Herman auf eine Reise ins Ungewisse als Knappe zu begleiten?” fragte Ottin in die Runde.

Eine Weile wurde getuschelt und gemurmelt, bis eine Stimme von weiter hinten erklang: „Ich mache es!”

„Wer? Tritt hervor.” befahl Ottin.

Einer der Wachmänner von der hinteren Zugangstüre drängte sich vor den Tisch des Freiherrn und verbeugte sich. Er war groß und schlacksig, hatte aber die Arme und Schultern eines Bogenschützen, trug einen Blaufurter Wappenrock und eine rote Bundhaube, und hatte einen Flaum auf der Oberlippe und am Kinn. „Ich bin Georg, Herr. Ich bin ohnehin Knappe der Blaufurter Garde, da kann ich auch Knappe des Herman sein.”

„Auf keinen Fall gehst du mit!” verbat Alexander, der Hauptmann der Garde; ein stabiler, muskulöser Mann Anfang 40, den Herman noch nie ohne Kettenhemd gesehen hatte. „Was fällt dir Lümmel ein deinen Posten zu verlassen?”

„Bitte verzeiht Hauptmann, ich dachte…” wollte Georg sich entschuldigen.

„Ist deine Meldung ernst gemeint? Du weißt das dich enorme Strapazen erwarten würden, und vielleicht sogar der Tod! Ich würde erwarten dass du meinen Sohn mit deinem Leben beschützt.” unterbrach Ottin, der mit einer Handbewegung Alexander gebot zu schweigen.

„Ja Herr, ich meine es ernst und bin mir dessen bewusst. Ich habe mein Leben Blaufurt verschworen, hier oder auf Reisen. Und in einem Jahr werde ich volljährig. Ich kann bereits die Rüstung der Garde tragen und bin ein guter Schütze mit dem Bogen, und mit Schwert und Schild oder Spieß kämpfen kann ich bereits ein wenig.” antwortete Georg. Man hörte an seiner Stimme das er es ernst meinte.

„Na dann. Du wirst Herman bei seinen Übungen begleiten und lernen was er lernt. Und reiten wirst du lernen; bevor Herman dich aus Mitleid auf sein Pferd lässt und zwei junge Männer auf einem Gaul reiten gebe ich dir lieber ein eigenes Pferd.”

Und so kam es. Zwar fand die Idee nicht bei jedem am Hofe Anklang, und seine Brüder machten sich regelmäßig über ihn lustig, doch Herman übte jeden Tag, lernte zu kämpfen und stählte seinen Körper. Der junge Georg begleitete ihn und machte die Übungen mit ihm.

Kapitel 2

Bald verband die beiden jungen Männer eine enge Freundschaft, und als sich das zweite Jahr ihrer Vorbereitung dem Ende zuneigte wurden beide immer gespannter darauf was sie erwarten würde, und beide waren in freudiger Erwartung des Tages ihrer Abreise.

Herman war nun in allen Kampfdisziplinen geübt und konnte jede Waffe führen, brillierte jedoch mit dem langen Schwert im abgesessenen Kampf. Er bevorzugte zwar eine leichtere Rüstung und einen leichten Helm, sein Vater bedingte seine Abreise jedoch damit, das er eine vollständige Kettenrüstung nebst Plattenrock, Kniekacheln, Panzerhandschuhen, Hirnhaube und zu Ross einen Topfhelm1 zu tragen habe wie es sich für einen modernen Ritter gehörte (im dritten Jahrhundert war eine solche Rüstung bereits sehr fortschrittlich).

Georg war inzwischen durch die täglichen Übungen zu einem respektablen Bogenschützen geworden, und kämpfte zu Fuß mit dem Breschmesser2; einer Stangenwaffe mit einer Klinge in Form eines schweren Messers welche durchaus auch gegen gerüstete Feinde eine gute Figur machte, oder Axt und Rundschild. Zwar war eine solch vielfältige Bewaffnung, insbesondere in Kombination mit der Kettenrüstung die er trug, für einen Knappen ungewöhnlich, da er aber für die Sicherheit Hermans verantwortlich war, brauchte er selbst auch ausreichend Schutz.

Als sich die zweijährige Frist dem Ende zuneigte saß Herman eines Abends mit seinen Brüdern beisammen im Kaminzimmer. Es lag auf der anderen Seite des großen Kamins im Hauptraum und der Kamin konnte von beiden Seiten befeuert werden. Vor dem Kamin standen einige bequeme Stühle im Halbkreis, hierhin zog sich die Familie gerne zurück um sich im Winter warm zu halten, zu lesen oder gesellig beisammen zu sein. Georg, den Herman auch zu sozialen Ereignissen mitnahm, damit er auf der einen Seite Etikette lernte, auf der anderen Seite lernte dass der noch junge balamarische Adel sich abseits formaler Anlässe auch nicht viel anders gab als noch vor siebzehn Jahren, als es die vielen kleinen Adelshäuser so noch nicht gab, hatte neben der Türe Wachposten bezogen.

„Na, bald gehts auf die Reise, was Herman?” bemerkte sein ältester Bruder Wentzel, der Ende des Jahres 30 werden würde. „Du hast dich gemacht, das muss man dir lassen. Aber bist du immernoch sicher dass du das tun willst? Willst du nicht lieber vielleicht etwas studieren? Du bist schlau genug für einen Gelehrten. Wie wäre es mit Architektur? Das Reich braucht Architekten.”

„Das tut es, und ich habe tatsächlich daran gedacht etwas zu studieren. Aber was wäre ich dann? Architekten sind immernoch vom Wohlwollen ihrer Auftraggeber abhängig. Das kann ins Auge gehen.” antwortete Herman.

„Du bist ziemlich stark geworden, alle Achtung. Und dein Bursche Georg auch.” sagte Thoman, der hier, zuhause, eine Schärpe in den Farben Balamars über dem Blaufurter Wappenrock trug. „Komm setz dich zu uns und nimm dir Wein, du brauchst da nicht rumzustehen.” sagte er an Georg gewandt, der sichtlich verlegen Platz nahm und sich etwas Wein einschenkte. „Du bist ja kein gewöhnlicher Gardist. Du bist der Leibwächter und Adjutant meines Bruders, das ist eine edle und außergewöhnliche Aufgabe. Dein Rang soll hier keine Rolle spielen.”

„Ich habe hier auch etwas für euch beide vorbereitet.” sagte Kilian, der eine schmucklose weiße Robe trug wie es sich für Angehörige der Kirche ziemte, und zog zwei kleine silberne Amulette in Form einer kleinen Röhre mit Deckel hervor und überreichte sie ihnen. „Darin sind Pergamentröllchen mit einem Segen. Tragt sie stets bei euch um euch an den rechten Weg zu erinnern. Und nehmt ein Gebetbuch mit und vergesst nicht die Tageslosung zu lesen und zu besprechen. Aurum hat euch Talente gegeben die nun mehr und mehr zum Vorschein kommen. Nutzt sie weise und gut.”

„Danke, Kilian, das weiß ich sehr zu schätzen.” bedankte sich Herman und Georg sagte leise „Habt Dank, Hochwürden…”
„Ach, nenn mich Kilian wenn wir unter uns sind, ich bin noch nicht geweiht.”

[Ende des Trainings, Prüfung von Hermans Fähigkeiten, Abreise]

Kapitel 3

[Reise nach Freitrutz, Aufenthalt in der Stadt, Kennenlernen eines späteren Gruppenmitglieds]

Kapitel 4

[Audienz bei der Markgräfin, Vergrößern der Gruppe auf vier ständige Mitglieder]

Teil 2: Reiseberichte

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